Dünne Klienten


oder Thin-Clients sind doch eigentlich schon immer zu langsam, wenig effizient, zu eingeschränkt, kaum komfortabel, irgendwie ätzend und letztendlich doch nicht signifikant billiger als die üblichen Arbeitsplatz-PCs gewesen oder?!

Dass das heutzutage ganz anders ist habe ich selbst erst kürzlich am eigenen Leib erfahren.
Nachdem ich zwei Tage lang bei einem Kunden an einem PC gesessen und ein Monitoring System eingerichtet hatte, fiel mir erst dieses Zigarrettenschachtel großes schwarze Kistchen auf meinem Schreibtisch auf, an das sowohl mein Monitor, als auch Tastatur und Maus angesteckt zu sein schienen. Wie jetzt …? Hatte ich etwa die ganze Zeit auf einem Thin Client Terminal gearbeitet und es nicht bemerkt? Als Informatiker? Das war mir anfangs fast peinlich! Muss es aber nicht! Weil es dafür einfach zu gut funktioniert.

Wie funktioniert es?
Die kleinen Kistchen sind Thin-Clients und sprechen Remote-Desktop-Protokoll (RDP) mit einem MS-Terminalserver. Jeder Mitarbeiter hat also seine eigene Windows-Session auf dem Terminalserver. Dort läuft die Software und alle Daten liegen auf den Storage-Devices des Servers. Der Thin-Client stellt lediglich die Kommunikation mit den Geräten am Arbeitsplatz (Maus, Tastatur und Monitor) zur Verfügung. Dabei ist sogar eine Hardware Grafikbeschleunigung eingebaut, welche die flüssige Darstellung von 2D-Inhalten wie Fenstern auf den Clients ermöglicht. Selbstverständlich kommt man jedoch nicht umhin darauf hinzuweisen, dass zunächst keine optischen Laufwerke oder USB-Geräte zur Verfügung stehen. Viele Thin-Client Terminals besitzen zwar USB-Anschlüsse, die man aber vermutlich nicht „scharf“ schalten möchte, so dass mit jedem angesteckten Gerät ein weiterer Treiber auf dem zentralen Server installiert wird. Sowas macht eine Windows-Maschine erfahrungsgemäß nicht lange mit, selbst wenn es sich um den Server 2008 handelt.

Spart es wirklich Aufwand und Geld?
Wir glauben schon!
Natürlich spart man zuerst mal an Hardware. Ein Areitsplatz-PC kostet ca. 500€ (ohne Software und Peripherie) während man für ein Terminal, z.B. von „Axel“, nicht mehr als 200€ löhnen muss. Demgegenüber stehen Mehrkosten für einen etwas leistungsstärkeren und ggf. redundant ausgelegten Terminalserver.
Software würde nicht mehr verteilt, sondern einmal für alle auf dem Server installiert werden. Bei den Softwarelizenzen selbst kann man kaum sparen, da sowohl Terminallizenzen selbst, als auch Office-Pakete für Terminalserver ebenfalls pro User lizenziert werden müssen und in etwa genauso kostspielig sind wie solche für den gewöhnlichen Arbeitsplatz-PC.
Für den laufenden Betrieb ist zu erwarten, dass sich der Aufwand für den Betrieb der Hardware gravierend reduziert, da sich in den kleinen Terminal-Gehäusen ohnehin wenig Innenleben und vor allem keinerlei mechanisch bewegliche Bauteile befinden. Ähnlich sieht es bei der Instandhaltung und Wartung der Software aus. In welchem Umfang allerdings eine Zentrale Installation weniger Arbeit macht, als viele Kleine, muss sich für uns erst noch im Langzeitbetrieb herausstellen.
Übrigens spart der geringe Stromverbrauch der Terminals von nur 3 Watt, mindestens 25€ pro Jahr und Arbeitsplatz.🙂.
Alles in allem gibt es also durchaus Potential für eine Renaissance des Thin Clients.

Wenn es wirklich so toll funktioniert, warum machen es dann nicht schon lange alle so?
Gute Frage! Thin-Clients gibt es schon lange. Allerdings konnte erst der Windows 2003 Enterprise Server (oder Win 2000 Datacenter Server🙂 ) genügend RAM adressieren, damit auch nennenswert Terminal-Clients auf dem Server versorgt werden können. Spätestens mit dem 2008er Server ist der RAM-Ausbau aber kein Thema mehr. So kann man an einem Terminalserver mit 32GB RAM angeblich leicht an die hundert Clients betreiben. Auf einem Terminalserver eines unserer Kunden verbraten ca. 30 laufende Thin-Clients insgesamt lediglich ca. 10GB RAM auf dem Terminal-Server. Andere Gründe für die zurückhaltende Verbreitung könnten auch mangelndes Vertrauen in diese Technik oder einfach schlechte Erfahrungen der IT-Mitarbeiter sein. Letztere könnten den derzeitigen Stand dieser Technik jedoch gerne nocheinmal zum Beispiel im Zuge einer Server-Virtualisierung als günstige Kombination überprüfen.

Wir sind jedenfalls zuversichtlich, dass man in Zukunft wieder etwas mehr zum Thema „Thin Client“ zu hören bekommt.

Axel Thin Clients
Igel Thin Clients
Epatec Thin Clients

Unser Exemplar war übrigens ein Terminal von Axel.

Beste Grüße
Hannes Wilhelm

5 Gedanken zu „Dünne Klienten

    • Hallo Dirk,

      bei Linux war es durch das X-System schon immer wesentlich einfacher eine graphische Oberfläche auf einen anderen Rechner zu holen.
      Ob es mittlerweile auch integrierte Thin-Client Terminals gibt (wie die von uns Getesteten), die eine PC-Hardware überflüssig machen, wäre interessant herauszufinden.

      Ich habe dieses Projekt gefunden: http://openthinclient.org/home

      Es beschäftigt sich wohl mit einem Zentralen Management vom Terminalsessions unter Linux, quasi ein pendant zum MS -Terminalserver. Die Client-Hardware scheint üblicherweise noch auf PC-Basis vorgesehen zu sein.

      Viele Grüße
      Hannes

      • Hallo Herr Wilhelm,

        leider habe ich keine praktischen Erfahrungen mit diesen Produkten.
        Ich bin durch eine Freund darauf gestoßen worden, der die Xen-Lösungen evtl. bei seinem Arbeitgeber einführen möchte, genau aus den von Ihnen genannten Gründen: leichter zu administrieren, flexibler, skalierbarer, sicherer und damit auf lange Sicht günstiger. In seinem Haus sind sogar noch CAD-Arbeitsplätze, die sich mit dieser Xen-Lösung anscheinend abdecken lassen, indem man in den Server eine HighEnd-3D-Grafikkarte einbaut.

        Viele Grüße
        Frank Wagner

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